Strom tauschen – warum das unmöglich ist

Den eigenen Strom mit dem Nachbarn tauschen, den überschüssigen Photovoltaikstrom vom Dach mit Peter aus München teilen oder einfach in einer Community vernetzt sein – diese Marketing-Botschaften ließt man immer wieder in Broschüren oder auf Webseiten. Anbieter wie sonnen, beegy, EnBW oder auch buzzn werben mit sogenannten Communitys um Kunden (Hier gibt es eine Übersicht dazu). Aber funktioniert das überhaupt „Strom tauschen“?

Physikalisch sucht Strom sich immer den kürzesten Weg

Physikalisch gesehen gibt es dazu eine klare Antwort: nein. Strom sucht sich immer den kürzesten Weg. Das heißt, ein Strom tauschen in einem komplexen Netz ist unmöglich, weil wir nicht steuern können, wohin der Strom von Peters Photovoltaikanlage geht. Viel mehr halten Netzbetreiber die Frequenz im Netz gleichmäßig hoch und sorgen so dafür, dass es keine Stromausfälle gibt.

Wer also sicher gehen will, dass sein Strom auch nur dorthin geht, wo er will, muss dazu sein eigenen Stromnetz basteln. Siehe Handarbeit- und Werken in der Grundschule.

Auch Ökostromangebote arbeiten auf gleicher Basis

Dieses Problem gilt auch für Ökostromangebote oder Stromtarife, die eine Herkunft als Produktversprechen nutzen. Der Ökostromtarif kann natürlich nicht bestimmen, dass aus meiner Steckdose wirklich Strom aus einem norwegischen Wasserkraftwerk kommt. Stattdessen kauft der Ökostromanbieter für mich entsprechend viel Strom ein und verkauft mir dann auf der Abrechnungsebene Ökostrom.

Bringt die Papierrechnerei etwas?

Wenn ich also nur bilanziell Ökostrom oder Strom aus der Community bekomme, macht die ganze Idee überhaupt Sinn? Sollte man die ganze Strom tauschen Geschichte nicht gleich vergessen? Auch wenn der Strom nicht physisch verteilt werden kann, machen Ökostromtarife oder Communtys schon einen Unterschied:

  • Durch den kauf eines Grünstromtarifs, können Endkunden Kraftwerke, die auf erneuerbare Energien setzen unterstützen und so die Energiewende voranbringen. Auch wenn der Grünstrom nicht in ihrer Steckdose landet. Es landet mehr Grünstrom insgesamt im Netz.
  • Ebenso ist es mit den Communitys. Zwar bekommt man nie den Strom von Peters Photovoltaikanlage, aber durch die Community wird die dezentrale Energiewende vorangetrieben. Und per App bieten Anbieter wie sonnen oder beegy eine hübsche Visualisierung dazu.

 

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